Die Sonderausstellung „1525! Aufstand für Gerechtigkeyt“ in den Luther Museen bricht bewusst mit klassischen musealen Formaten. Um die komplexen historischen Umbrüche und Eskalationen des Bauernkrieges für ein vorrangig junges Publikum greifbar zu machen, verwandelt sich das Museum in eine begehbare mittelalterliche Kulisse. Gemeinsam mit der Agentur Wegesrand haben wir einen immersiven Erlebnisraum geschaffen, in dem die Besucher:innen die Geschichte nicht nur betrachten, sondern physisch durchschreiten und aktiv mitgestalten.
Das Prinzip: Ausstellungsbesuch als lebensgroßes Rollenspiel
Der rote Faden der Ausstellung ist ein starker Gamification-Ansatz, der eng mit der Raumarchitektur verwoben ist. Das Game Design, die inhaltliche Ausarbeitung der Charaktere sowie die Programmierung dieses spielerischen Erlebnisses wurden von unserem ARGE-Partner Wegesrand entwickelt.
Jeder Gast erhält zu Beginn eine Karte mit integrierter RFID-Technologie. Ein digitaler Würfelwurf am Eingang der Stadtkulisse entscheidet über das Schicksal: Die Besucher:innen schlüpfen in die Rolle einer von fünf historischen Persönlichkeiten – vom armen Ziegelbrenner bis hin zur katholischen Äbtissin. Mit dieser RFID-Karte ausgestattet, beginnt die Erkundung des Themas.
Ziel der Spieler:innen ist es, im Raum verteilte Medientische zu finden und sich dort mit ihrer Karte einzuloggen. Hier werden sie mit authentischen Konflikten der damaligen Zeit konfrontiert und müssen für ihre Figur weitreichende Entscheidungen treffen. Der Spielfortschritt wird durchgehend auf der RFID-Karte gespeichert. Am Ende der Ausstellung erfolgt die Auswertung: Das erspielte, fiktive Schicksal der eigenen Figur wird dem realen historischen Ausgang gegenübergestellt – ein Aha-Moment, der die damaligen Werte und Lebensrealitäten eindrucksvoll verdeutlicht.
Haptik trifft auf Digitalität: Unsere Interaktivexponate
Um diese digitale Narrationslogik in der analogen Welt zu verankern, haben wir die historische Kulisse mit einer Vielzahl von physischen und hybriden Stationen zum Leben erweckt. Bei der Exponatentwicklung lag unser Fokus darauf, historische Sachverhalte durch intuitive und teils körperliche Interaktionen begreifbar zu machen. So entwickelten wir beispielsweise eine Murmelbahn, die das Abgaberecht von Bauern aus dem 16. Jahrhundert kinderleicht veranschaulicht. Ähnlich analog funktioniert das Interaktivexponat, bei dem man einer Nonne zur Flucht verhelfen muss: Mittels zwei Seilen gilt es eine Kugel über einen schmalen Pfad ins Ziel zu balancieren. Etwas technischer wurde unser Außenexponat, das wie der Arcade-Klassiker »Whac-A-Mole« funktioniert. Die zwei Konfliktparteien des Bauernkrieges rufen sich schlagfeste Argumente zu, treten aus dem Exponat hervor, nur um von der anderen Partei niedergeknüppelt zu werden. Spielerisch und mit einer angemessenen Übersetzung der Kriegsgewalt wird der historische Interessenkonflikt kommuniziert.
Fotos: © rotes pferd + © Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt / Markus Scholz